Die Polarlichter Schwedens

Waren es wirklich Polarlichter, die wir sahen, oder bildeten wir uns nur ein, Polarlichter zu sehen? Wir waren noch nicht mal eine Woche im schwedischen Skyttorp, einem kleinen Städtchen nördlich von Uppsala, und sollten nun schon dieses Spektakel beobachten dürfen? Natürlich haben wir schon mal von der Aurora gehört, doch sie zu sehen, darauf waren wir mental noch nicht vorbereitet.

Unsere App sagte an diesem eisigen Abend eine hohe Wahrscheinlich dafür voraus, dass man die Aurora Borealis sehen würde. Unser Haus stand am Rande einer riesigen Wiese. Zu den anderen drei Seiten lagen vereinzelt Nachbarshäuser. Vor allem war diese Gegend jedoch durch viel Platz und wenige Menschen gekennzeichnet, was bedeutete, dass es nur sehr, sehr wenig Licht gab. Perfekt Voraussetzungen, um die Lichter am Nachthimmel gut sehen zu können.

Anfang Februar ist der Winter im mittleren Schweden noch in vollem Gang. Es war nach 22 Uhr und die Nacht war dunkel. Mondlicht wurde vom Schnee reflektiert und spendete so zumindest ein wenig Helligkeit. Wir kletterten durch das Gebüsch und an den Bäumen vorbei, die den hinteren Teil des Gartens markierten. Ein nicht ganz leichtes Unterfangen mit der Kameraausrüstung und dem Stativ.

Doch einmal am Graben zwischen Garten und Wiese angekommen, klappte uns ungläubig die Kinnlade herunter. Über den Bäumen, auf der anderen Seite der Wiese, erschien ein schmaler Streifen grünen Lichts. „Sind das die Nordlichter?“, fragte ich meinen Freund. „Jep, das das sind sie.“

„Das ist alles?“, war meine nächste Frage. Er schaute mich an, lachte und fragte mich, was ich damit meinen würde? Naja, auf Fotos sähe es einfach beeindruckender aus als in der Realität. „Das ist es“, lautete seine Antwort.
Mir war kalt und ich war müde. Wir standen mitten in der Nacht auf einer Wiese und fast gleichzeitig verschwanden die Lichter der Aurora. Wir hatten gerade einmal ein bis zwei Minuten das Vergnügen mit diesem Naturereignis gehabt.
Nun fragte auch er mit einem Hauch freundlicher Überraschung in der Stimme: „Sind sie weg?“ Ratlos standen wir da.

Wenige Augenblicke später kamen die Lichter zurück, jedoch an anderer Stelle. Sie bewegten sich. Sie tanzten. Ihre Position, ihre Form und ihre Intensität veränderten sich in nur wenigen Minuten, teils auch Sekunden. Ich hatte keine Ahnung, dass sich Polarlichter so schnell so sehr veränderten. Je länger wir hier nun standen, desto mehr packte mich die Schönheit dieses Moments.

Mein Freund und ich haben super spontan, innerhalb von nur einer Woche entschieden, für drei Monate nach Schweden zu reisen. Nach nur wenigen Tagen, stehen wir hier, mitten in Schweden, nachts auf einer Wiese und schauen uns den grünen Schein der Nordlichter an. Um uns herum lagen noch Schneereste, der Himmel war sternenklar und unsere Augen hatten sich so sehr an die Dunkelheit gewöhnt, dass wir trotz dessen mehrere hundert Meter weit schauen konnten. Das war doch einfach mega!

Vielleicht war es die fehlende Erwartungshaltung, die dazu führte, dass es etwas dauerte, bis ich verstand, was meine Augen hier eigentlich gerade sahen.
Und was sah ich denn genau? Licht? Wo kam das denn her, mitten in der Nacht? Von der Sonne?

Nun ja, ganz daneben lag ich mit diesem Gedanken nicht. Wenn Sonnenwinde, die aus energiegeladenen Teilchen bestehen, auf die Erde treffen, wird diese von ihrem Magnetfeld geschützt. In den Polarregionen stehen die Feldlinien des Magnetfelds senkrecht zur Erde. Eine Schwachstelle, die von den Teilchen ausgenutzt wird, um möglichst nah an die Erdoberfläche heranzukommen. Daher sieht man die Aurora an den Polen am häufigsten. Je nach Stärke der Sonnenwinde, kann man sie jedoch in seltenen Fällen auch in Deutschland und anderen Regionen sehen. Dies wiederum hängt mit dem circa elfjährigen Aktivitätszyklus der Sonne zusammen. Je näher sich dieser am Maximum befindet, desto öfter erscheinen Polarlichter und desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, sie auch fernab der Pole sehen zu können. Das letzte Maximum dieses Zyklus war 2013/14.

Das ganze Spektakel passiert in mehreren hundert Kilometern Höhe. Selbst vom Weltall aus kann man die Polarlichter leuchten sehen! Je nachdem auf welche Atome und Moleküle, also ob auf Sauerstoff oder Stickstoff, und in welcher Höhe die Teilchen auf diese treffen, erzeugen die Sonnenwinde dann ein grün, rot, blau oder violett fluoreszierendes Leuchten. Letztere Farben sind jedoch deutlich seltener als das grüne oder rote Licht zu sehen. Das menschliche Auge scheint empfindlicher für grünes Licht zu sein, auch wenn schwaches Licht insgesamt nur begrenzt wahrgenommen werden kann. So sieht die Aurora mit bloßem Auge nicht nur für jeden ein wenig anders aus, es erklärt auch, warum die Bilder unserer Nordlichter auf der Kamera so viel klarer und deutlicher sind als in der ‚Realität‘.

Der Name Aurora Borealis stammt aus dem Lateinischen und bedeutet ‚Dämmerung des Nordens‘. Aurora ist der Name der römischen Göttin der Dämmerung. Am Südpol heißt dieses faszinierende Naturereignis Aurora Australis, also ‚Dämmerung des Südens‘. Von Dunedin, Neuseeland aus hatten wir auch schon mal versucht, die Lichter zu sehen. Leider ohne Erfolg. Doch nach dieser Nacht hier in Schweden, wollen wir das in naher Zukunft unbedingt ändern.

 

Quellen:
Wikipedia-Artikel „Polarlicht“ (Stand 13.02.2022)
Video „Wie Polarlichter entstehen“ von Terra X plus (30.12.2020)
Artikel „Wann und wo du in Schweden das Polarlicht siehst“ von Visit Schweden (7.1.2022)

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